Vom Sinn und Unsinn des Schenkens von Geburtstagsgeschenken

Als wir meinen Sohn dann zur Geburtstagsparty nach München brachten, wurden alle Geschenke auf einem Tisch gesammelt. Weder unser Sohn noch das Geburtstagskind interessierten sich dafür. Beim Abholen lagen die Päckchen noch genauso da, wie zu Beginn der Party. Ob das Geburtstagskind sich später noch darüber gefreut hat, kann ich nicht sagen. Bei mir blieb ein komisches Gefühl zurück.

Sind Geburtstagsgeschenke nur ein Ritual unserer Zeit?

Geburtstagsgeschenke sind ein übliches Ritual, dem man sich nicht entziehen kann. Oder doch? Ist es überhaupt sinnvoll, Kindern Geschenke zu überreichen? Das schenkende Kind interessiert sich nicht dafür, das beschenkte Kind spielt ein wenig damit und legt es dann beiseite. Angesichts der vielen Geburtstagseinladungen nimmt das schnell ausufernde Maße an. Sollen wir mit dieser Geschenkemühle wirklich weiter machen? Ist der Trend der „No Gift Party“ aus den USA vielleicht die Lösung? Ist diese Schenkerei nur eine Form von Konsumverhalten, das in die falsche Richtung führt und in ein paar Jahrzehnten als Relikt des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts gilt?

Und sind es wirklich die Geschenke, die so seelenlos sind? Ist es nicht eher die Art und Weise, wie wir sie auswählen und überreichen? Für uns Erwachsene ist es doch durchaus etwas Schönes, anderen eine Freude zu machen. Wie ist das für Kinder? Ist es nur die hektische, unüberlegte Auswahl der Geschenke, die sie so seelenlos wirken lässt?

Hier eine andere Geschichte:

Vor dem nächsten Kindergeburtstag – davon gibt es ja genug für meine väterlichen Experimente – fuhr ich mit meinem Sohn nach München in ein Spielzeuggeschäft, um gemeinsam ein Geschenk für seinen Freund zu besorgen. An diesem Ort des Ich!, Ich!, Ich! und Meins!, Meins!, Meins! überlegte er natürlich zunächst, was er selbst am liebsten hätte. So sind Kinder nun mal. Aber nach einigen Minuten schaffte er es tatsächlich, sich in seinen Freund hineinzuversetzen und zu überlegen, was diesem gefallen würde. Er wusste tatsächlich sogar sehr gut, womit der andere am liebsten spielt. So suchten wir dieses Geburtstagsgeschenk gemeinsam aus. Als wir den Laden verließen, war meinem Sohn das zufriedene Lachen schon von weitem anzusehen. Es hatte ihm viel Spaß gemacht, das Geschenk selbst aussuchen zu dürfen. Ich war mir sicher, dass er dieses Geschenk anders überreichen würde, als das vorherige.

Was ist nun mit diesen „No Gift Partys“ bei Kindergeburtstagen?

Der Trend der sogenannten „No Gift Partys“ (wörtlich übersetzt „Keine Geschenke Partys“) kam bereits vor etwa 10 Jahren auf und stammt – wie so viele Trends – aus den USA. Wobei es schon ein wenig grotesk erscheint, dass ein solcher Trend zu weniger Konsum und Materialismus ausgerechnet aus dem Land der Konsumsucht stammt. Nun gut. Der Trend, einen geschenkefreien Kindergeburtstag zu feiern, verbreitete sich rasend schnell unter wohlmeinenden Eltern von der Ost- bis zur Westküste der Vereinigten Staaten.

Einladungen wurden mit Hinweisen wie „Your presence is present enough“ („Deine Anwesenheit ist uns Geschenk genug“) versehen und appellierten auf diese Weise an das moralische Gewissen. Gemeinsam Zeit zu verbringen ist schließlich viel wichtiger, als materielle Geschenke. Dagegen lässt sich wohl kaum etwas sagen.

Haben all diese Leute vielleicht Recht? Sind Geburtstagsgeschenke lediglich ein Auswuchs unserer konsumorientierten Gesellschaft? Die Idee des Verzichts auf Geschenke klingt zunächst einmal verlockend, das gebe ich zu.

Wie die erste Geschichte zeigt, kann das Schenken zu einer herzlosen, verpflichtenden Angelegenheit werden. Wenn die Mutter zwei Tage vor der Feier schnell noch irgendein Plastikspielzeug bestellt, nur um etwas in der Hand zu haben, geht der Sinn des Schenkens verloren. Das schenkende Kind weiß meistens noch nicht einmal, was in dem Päckchen eigentlich drin ist, dass es da überreicht. Das beschenkte Kind weiß angesichts der Flut von Geschenken gar nicht, womit es zuerst spielen soll – und ein paar Tage später sind all diese Gaben in den Tiefen der Spielzeugkiste verschwunden. Auf diese Weise ist das Schenken tatsächlich herz- und seelenlos. Aber es sind nicht die Geschenke selbst, die daran schuld sind. Vielmehr ist es die Art und Weise, wie wir mit ihnen umgehen.

Schenken lernen um Großzügigkeit zu lernen

„Wir glauben, dass Kinder egozentrische Wesen sind, aber unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass sie das Schenken als genauso lohnend erleben, wie Erwachsene“, sagt Lara Aknin. „Kindern die Gelegenheit zu geben, großzügig zu anderen zu sein, ist extrem wichtig für deren Entwicklung“, so die Forscherin, „denn wenn sie erleben, dass etwas Spaß macht, werden sie es wieder tun.“ Als wir gemeinsam das Geburtstagsgeschenk ausgesucht haben, hat mein Sohn einmal Pause vom egoistischen Ich will! Ich will! Ich will! gemacht und stattdessen an die Wünsche anderer gedacht. Uns Erwachsenen mag das wie eine nicht allzu wichtige Situation vorkommen, für ein Vorschulkind ist es jedoch ein enormer Entwicklungsschritt.

Großzügigkeit und die Fähigkeit des Teilens sind wesentliche Bestandteile unserer Gesellschaft, ohne die unser soziales Miteinander nicht funktionieren würde. Anderen zu helfen oder anderen etwas von dem abzugeben, das wir besitzen, hilft uns im unmittelbaren Sozialkontakt und gleichzeitig auch in der Gesellschaft als Ganzes

Auch Mary Jo Katras von der University of Minnesota hat sich in ihrer Forschung mit dem Schenkungsprozess beschäftigt. Sie untersuchte die Bedeutung von Geburtstagspartys in einkommensschwachen Familien. Dabei fand sie heraus, dass die Familien für Geburtstagspartys und -geschenke gerne finanzielle Einschränkungen an anderen Stellen in Kauf nahmen. Sie schränkten sich an anderer Stelle finanziell ein oder baten Familie und Freunde um Hilfe, um Partys und Geschenke zu ermöglichen. Dies zeigt, welche hohe Bedeutung den Geburtstagsfeiern beigemessen wird. Freunde einladen, Freundschaften pflegen und Geschenke überreichen gehörte auch für diese Familien dazu.

Selbst aufwändige Feiern in einem Indoorspielplatz wurden so ermöglicht. „Der Akt des Schenkens ist auch in einkommensschwachen Familien offenbar ein wichtiges Ritual“, so Katras. „Dabei ist es nicht das Geschenk selbst, sondern das Überreichen des Geschenks, das wirklich zählt“, so die Forscherin weiter. „Indem sie sich mehr auf das Schenken als auf das Geschenk konzentrieren, lernen die Kinder, dass Geschenke nicht teuer sein müssen.“

Geburtstage sind in der Regel ein Tag der Freude und der Ausgelassenheit. Dabei hat das Zählen von Lebensjahren durchaus auch eine makabre Seite. Es führt uns schließlich unsere eigene Sterblichkeit und die zeitliche Begrenztheit unseres Daseins unmittelbar vor Augen. Auch Kinder verstehen bereits die Unumkehrbarkeit der Zeit und erleben diese an ihren Geburtstagen. Historisch betrachtet diente der Brauch des Schenkens früher der Besänftigung von bösen Geistern.

Auch wenn wir heute (überwiegend) nicht mehr an Geister glauben, haben Geschenke immer noch die Funktion, uns die verletzliche Erkenntnis, dass schon wieder ein Jahr vergangen ist, zu versüßen. Anstatt Geschenke also vollständig zu verbannen, sollten wir uns also lieber Gedanken darum machen, wie wir sie besser gestalten können.

Wie wir als Eltern damit umgehen können und Vorschläge zum richtig schenken für Kinder

Den gleichen Effekt erzielen wir, wenn wir unsere Kinder am Schreiben von Danksagungen beteiligen. Sie lernen dadurch, ihre Geschenke wirklich wertzuschätzen statt als selbstverständlich hinzunehmen.

Geschenke machen Spaß und Kindergeburtstage sind wichtige Feste

Wir sollten sehr vorsichtig sein, den Trend zum Minimalismus ungefragt auf unsere Kinder zu übertragen. „Kindergeburtstage feiern, Freunde einladen, Kuchen essen und Freundschaften genießen sind besondere, magische Momente im Leben aller Mädchen und Jungen. Sie schaffen wundervolle und besondere Erinnerungen. Die Vorfreude auf Süßigkeiten und Geschenke sind ein großer Teil davon“, sagt Seren Wegener, Eigentümerin einer Partyplanungsagentur. „Ich finde es schade, wenn Erwachsene ihre eigenen Vorstellungen auf so harte Weise auf die Kinder übertragen.“

Es ist schön und wichtig den Kindergeburtstag als Gelegenheit zu nutzen, unseren Kindern Freude und Spaß zu bieten. Einfach um der Freude Willen. Das heißt ja nicht, dass Süßigkeiten und materielle Überflut an der Tagesordnung sein müssen. Geschenke mit dem eigenen Namen darauf sind nicht einfach nur „mehr Sachen“. Sie sind Teil der kindlichen Freude, Unbeschwertheit und des Glücks, nach der wir uns dann als Erwachsene so sehr zurücksehnen.

Natürlich sind Geschenke an einem Kindergeburtstag nicht die einzige Möglichkeit, unseren Kindern Großzügigkeit und Dankbarkeit beizubringen. Aber sie sind eine wunderbare Gelegenheit dafür, den Prozess des Auswählens, Teilens, Schenkens und der damit verbundenen Freude zu üben.

Fazit:

Selbstverständlich gibt es in der Frage nach der Wichtigkeit von Geburtstagsgeschenken auf Kindergeburtstagen nicht die einzig wahre, richtige Antwort. Wie bei so vielen Themen, die Erziehung und Elternschaft betreffen, sind die Ansichten hierzu sehr verschieden. Jeder kann und darf für sich selbst entscheiden, wie er mit diesem Thema umgeht. Allerdings liegt mir viel daran, dass die sozialen, emotionalen und moralischen Aspekte des Schenkens nicht in Vergessenheit geraten. Das Schenken bietet allen Jungen und Mädchen eine hervorragende Lerngelegenheit, um sie zu gerechten, großzügigen und weniger egoistischen Erwachsenen heranreifen zu lassen.

Für Spieler des Heldenverlies bieten wir in unserem Shop Ausrüstung für das Spiel an. Für Geburtstagskinder die schon Erfahrung im Heldenverlies haben, gibt es da vielleicht den einen oder anderen Wunsch der erfüllt werden kann.

Was ist Ihre Meinung dazu?

 

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.